Was Kunst für uns mit Wohnen und Unternehmertum zu tun hat

Wenn wir von Kunst sprechen, meinen wir nicht zuerst das Bild an der Wand.
Uns interessiert Kunst als eine Art, auf Dinge zu schauen. Vorhandenes nicht einfach als gegeben hinzunehmen, sondern es auseinanderzunehmen, anders zu betrachten und neu zusammenzusetzen. Vielleicht erklärt das ganz gut, warum Kunst in den vergangenen Jahren bei Studio1 immer wieder aufgetaucht ist – bei Möbeln, in Räumen, in der Werkstatt, aber auch bei der Entwicklung neuer Ideen.
Nicht alles muss neu sein
Ein altes Möbelstück kann zunächst einfach alt aussehen. Vielleicht ist die Oberfläche beschädigt, die Farbe aus der Mode gekommen oder seine ursprüngliche Funktion passt nicht mehr zum heutigen Leben.
Man kann es ersetzen.
Oder man fragt: Was davon ist eigentlich noch gut? Was macht dieses Stück besonders? Was lässt sich verändern – und was sollte bleiben?
Genau an dieser Stelle treffen sich für uns Handwerk, Gestaltung, Nachhaltigkeit und Kunst.
Beim Upcycling kann aus einem vorhandenen Möbel ein Einzelstück entstehen. Nicht, indem seine Geschichte unsichtbar gemacht wird, sondern indem etwas Neues zu ihr hinzukommt. Im Konzept von Studio1 ist deshalb bewusst Raum für Unikate, kleine Serien und Arbeiten vorgesehen, die gemeinsam mit Künstler:innen, Gestalter:innen, Handwerker:innen oder den Menschen entstehen, denen ein Stück gehört.
Kunst beginnt für uns nicht erst beim Künstler
Dabei geht es uns nicht darum, plötzlich alles zur Kunst zu erklären.
Aber wir glauben, dass künstlerisches Denken auch außerhalb der klassischen Kunstwelt wertvoll sein kann. Es erlaubt, mit Materialien zu experimentieren, Regeln für einen Moment infrage zu stellen und Möglichkeiten zu sehen, bevor schon feststeht, ob daraus überhaupt ein Produkt oder ein Geschäftsmodell wird.
Das war für uns in den vergangenen Jahren wichtig.
Manche Ideen entstanden nicht am Schreibtisch. Sie entstanden beim Streichen, Bauen, Zerlegen, Ausprobieren und im Austausch mit Menschen, die völlig anders auf dieselbe Sache geschaut haben.
Nicht jeder Versuch muss am Ende funktionieren. Aber er kann etwas sichtbar machen, das wir vorher noch nicht gesehen haben.
Erst verstehen, dann neu zusammensetzen
Vielleicht verbindet dieses Denken sogar mehr unserer Themen, als wir lange selbst wahrgenommen haben.
Bei einem alten Möbel schauen wir uns an, aus welchen Teilen es besteht und was davon erhalten werden kann. Bei einer Matratze haben wir begonnen, ein scheinbar selbstverständliches Produkt in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen und zu fragen, welche Funktion eigentlich jedes Teil erfüllt.
Und irgendwann haben wir etwas Ähnliches mit unserem Unternehmen gemacht.
Was gehört wirklich zusammen? Was funktioniert für sich besser? Was ist über Jahre nur deshalb miteinander verbunden geblieben, weil es schon immer so war?
Dieses Zerlegen bedeutet für uns nicht, das Vorhandene geringzuschätzen. Im Gegenteil. Erst wenn man genauer hinschaut, bekommen die einzelnen Teile ihre eigene Bedeutung.
Und dann kann man neu entscheiden, wie man sie zusammensetzt.
Kunst als Gegenpol zur fertigen Antwort
Im Geschäftsleben soll möglichst früh klar sein, was etwas ist, was es kostet, wie groß der Markt dafür ist und wohin es sich entwickeln soll.
Das ist notwendig.
Aber neue Ideen entstehen nicht immer in dieser Reihenfolge.
Manchmal braucht es zunächst einen Raum, in dem etwas noch nicht fertig definiert sein muss. Einen Tisch, an dem ausprobiert wird. Eine Wand, an der etwas hängen darf, obwohl noch niemand weiß, ob daraus später eine Ausstellung, ein Produkt oder einfach nur ein guter Gedanke wird.
Deshalb verstehen wir Werkstatt und offene Räume nicht nur als Orte der Produktion. Im Studio1-Konzept sollen sie auch Orte sein, an denen Prototypen, Upcycling-Projekte und kleine Serien entstehen und Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenarbeiten können. Kunst- und Ausstellungsräume sind dabei nicht als losgelöste Galerie gedacht, sondern als Begegnungsorte, an denen Wohnen, Schlafen, Gestaltung und kreative Arbeit aufeinandertreffen.
Zwischen Freiheit und Handwerk
Gleichzeitig ist uns die andere Seite wichtig.
Eine Idee darf frei entstehen. Wenn daraus aber etwas werden soll, muss sie sich an der Wirklichkeit beweisen.
Ein Möbelstück muss funktionieren. Eine Farbe muss sich verarbeiten lassen. Ein Raum muss zu den Menschen passen, die darin leben. Und ein Unternehmen muss am Ende wirtschaftlich tragfähig sein.
Vielleicht liegt genau darin unser Kunstverständnis: nicht Kunst statt Handwerk, Planung oder Wirtschaftlichkeit – sondern Kreativität als Möglichkeit, zu anderen Lösungen zu kommen.
Im Studio1-Konzept wird deshalb immer wieder die Verbindung von Design, Gestaltung und solidem Handwerk beschrieben. Kreative Ideen sollen nicht nur gut aussehen, sondern professionell geplant und handwerklich umgesetzt werden.
Die Ideenwerkstatt darf unfertig sein
Und deshalb gehört dieses Thema für uns in die Ideenwerkstatt.
Hier wollen wir nicht nur fertige Konzepte zeigen. Uns interessieren auch die Gedanken davor: Dinge, die wir ausprobieren, wieder verwerfen, miteinander verbinden oder erst langsam verstehen.
Kunst kann dabei Objekt sein. Sie kann in einem Raum hängen oder auf einem Möbel entstehen.
Für uns kann sie aber auch eine Methode sein: genauer hinsehen, Bekanntes infrage stellen und aus vorhandenen Teilen etwas Neues entstehen lassen.
Vielleicht ist genau das der rote Faden, der sich durch vieles zieht, was wir gerade entwickeln.
Die Matratze. Das Möbelstück. Der Raum. Und am Ende sogar das Unternehmen selbst.
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