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Vom MeDo-Markt zu Studio1 – die Geschichte einer Branche im Wandel

19. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Sept.

Wie Menschen einkaufen, verändert sich mit der Zeit. Damit wandeln sich auch die Geschäfte, die Warenpräsentation und die Erwartungen an Beratung und Handwerk. Die Geschichte von MeDo und Studio1 ist eng mit dieser Entwicklung verbunden.


Wie sich der Einkauf veränderte


Wer sein Zuhause gestalten wollte, suchte lange verschiedene Spezialisten auf: Raumausstatter für Gardinen, Polster und Bodenbeläge, Maler und Farbenfachhändler für Wände, Tischler und Möbelfachgeschäfte für die Einrichtung. Auch rund ums Bett gab es eigene Fachgeschäfte und Werkstätten, in denen Matratzen und Bettwaren hergestellt, aufgearbeitet oder gereinigt wurden.


Die Idee, unterschiedliche Waren an einem Ort anzubieten, entwickelte sich bereits im späten 19. Jahrhundert. Kaufhäuser wie Karstadt, Kaufhof, Tietz oder Wertheim vereinten zahlreiche Abteilungen unter einem Dach. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreiteten sich Supermärkte und später größere Verbrauchermärkte. Mit der Selbstbedienung veränderte sich die Art des Einkaufens: Die Kundschaft wählte Waren zunehmend selbst aus offen zugänglichen Sortimenten aus, statt sich jeden Artikel vom Verkaufspersonal reichen zu lassen.


In den 1960er- und 1970er-Jahren gewannen schließlich Fachmärkte an Bedeutung. Sie führten größere Sortimente rund um bestimmte Themen zusammen – etwa Bauen, Renovieren oder Elektrogeräte. Ein anschauliches Beispiel ist OBI: Der erste Markt eröffnete 1970 in Hamburg mit dem Motto „12 Fachgeschäfte unter einem Dach“. Der Impuls kam aus der amerikanischen Heimwerkerbewegung. Werkzeuge, Farben, Tapeten und weitere Produkte für das Selbermachen fanden an einem Ort zusammen. Im Elektrohandel folgten ähnliche Entwicklungen; 1979 eröffnete der erste MediaMarkt in München.


Auch die Wohnbranche ordnete sich neu


Diese Entwicklung lässt sich auch an den Handelsstrukturen der Wohnbranche beobachten. Die Frankfurter Messe war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst eine breite Warenmesse. Mit der Zeit entstanden daraus immer stärker spezialisierte Fachmessen für einzelne Branchen. 1959 startete die Interstoff als Messe für textile Stoffe. Aus ihrem Bereich für Haus- und Heimtextilien entwickelte sich Anfang der 1970er-Jahre eine eigene Messe. 1971 fand erstmals die Heimtextil statt.


Dort trafen Produktwelten aufeinander, die zuvor stärker aus unterschiedlichen handwerklichen und kaufmännischen Traditionen kamen: Stoffe, Gardinen, Teppiche, Bodenbeläge, Bett- und Hauswäsche und weitere textile Produkte für das Wohnen. Die einzelnen Gewerke verschwanden dadurch natürlich nicht. Doch der Markt begann sich neu zu sortieren. Produkte, die vorher über unterschiedliche Spezialisten verkauft wurden, wurden zunehmend gemeinsam gedacht, präsentiert und gehandelt.


1976: Eine neue Idee für Vechta


In genau diese Zeit fällt die Gründung des MeDo-Marktes. Am 1. August 1976 eröffneten Alfons Meyer und sein Geschäftspartner, ein gelernter Raumausstatter, in Vechta ihren eigenen Markt. Die Idee war für die Region ungewöhnlich: Statt kleiner Musterkollektionen oder einzelner Spezialgeschäfte sollte eine größere Auswahl an Produkten für die Raumgestaltung direkt verfügbar sein.


Teppichböden, Tapeten und später weitere Sortimente konnten angesehen, verglichen und zum Teil direkt mitgenommen werden. Damit übertrug der MeDo-Markt die neue Fachmarktlogik der 1970er-Jahre auf die Welt der Raumgestaltung. MeDo war dabei nicht die einzige Idee dieser Art in Deutschland. Auch andernorts experimentierte die Branche mit neuen Vertriebsformen. Der Einkaufsverband SÜDBUND entwickelte Mitte der 1970er-Jahre beispielsweise den „Zugreif-Teppich-Markt“, ebenfalls 1976 entstanden die ersten Hammer-Fachmärkte.


Der Wandel lag also gewissermaßen in der Luft. Für Vechta und die Region war das Konzept des MeDo-Marktes dennoch etwas Neues.


Große Auswahl – und das Handwerk blieb dabei


Dabei war MeDo kein Baumarkt im heutigen Sinn. Baumärkte bündelten Produkte rund um Bauen, Renovieren und Selbermachen – Werkzeuge, Baustoffe, Sanitärprodukte, Farben, Tapeten oder Bodenbeläge. Beim MeDo-Markt stand dagegen die Gestaltung von Wohnräumen im Mittelpunkt.


Das Besondere war die Verbindung zweier Welten: auf der einen Seite die große Auswahl und direkte Verfügbarkeit eines Fachmarktes, auf der anderen Seite Beratung und handwerkliches Wissen. Es wurde nicht nur verkauft. Räume wurden ausgemessen, Produkte ausgewählt, Bodenbeläge geliefert und fachgerecht verlegt.


Gerade am Anfang war vieles improvisiert. Das Kapital war begrenzt, und ein großer Teil der Arbeit wurde selbst übernommen. Nach Ladenschluss wurden Teppichböden verlegt, die Ehefrauen halfen mit, und aus einer neuen Idee entstand Schritt für Schritt ein wachsendes Unternehmen. Schon wenige Jahre später gehörte neben dem Standort in Vechta auch ein Markt in Lohne dazu. Alte Anzeigen aus dieser Zeit zeigen, wie stark das Konzept auf Auswahl und Verfügbarkeit setzte: Tausende Quadratmeter Teppichboden auf Lager, Hunderte Tapeten und bekannte Marken – verbunden mit Fachberatung und Verlegeservice. Zeitweise arbeiteten rund 30 bis 40 Menschen für das Unternehmen.


Aus einer neuen Idee war damit Schritt für Schritt ein Unternehmen geworden, das große Auswahl mit Beratung und handwerklichem Wissen verband. Doch weder MeDo noch die Welt des Wohnens blieben stehen. Materialien, Wohnvorstellungen und Sortimente veränderten sich und mit ihnen auch das Unternehmen.


Aus einer neuen Idee war damit Schritt für Schritt ein Unternehmen geworden, das große Auswahl mit Beratung und handwerklichem Wissen verband. Doch hinter dieser Geschichte steckt noch eine zweite: die der Materialien selbst. Neue Herstellungsverfahren, sich ändernde Wohnstile und neue Vorstellungen vom Zuhause veränderten den Handel – und noch viel stärker die Art, wie Menschen wohnten und lebten.


Fortsetzung folgt: Teppich, Tapete, Laminat & Co. – wie sich das Wohnen verändert hat.


 
 
 

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